{"id":552,"date":"2017-09-13T12:45:29","date_gmt":"2017-09-13T10:45:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/?p=552"},"modified":"2017-09-13T12:45:29","modified_gmt":"2017-09-13T10:45:29","slug":"artensterben-im-bundestagswahlkampf-ausgeblendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/2017\/09\/13\/artensterben-im-bundestagswahlkampf-ausgeblendet\/","title":{"rendered":"Artensterben im Bundestagswahlkampf ausgeblendet"},"content":{"rendered":"<p>Dass die Regierungsparteien allen Grund haben, dass Thema aus dem Wahlkampf auszublenden vesteht sich. Es ist eben eine \u00fcberaus blamable Entwicklung, die sich mit dem R\u00fcckgang der Artenvielfalt abbildet. Sie ist menschengemacht und zeigt: Klimaschutz ist mehr als Windkraft und E- Autos.<br \/>\nAber warum thematisieren die Oppositionsparteien nicht das Thema Artensterben? Frau Beate Blahy aus Steinh\u00f6fel hat den Finger drauf. Sie schreibt in Ihrem Leserbrief an die MOZ: Vielen Dank f\u00fcr den Artikel &#8222;Das gro\u00dfe Verschwinden&#8220; im Wochenend-Journal vom 2.\/3. September 2017. Damit haben Sie sicher nicht nur mir aus dem Herzen gesprochen und auf etwas hingewiesen, was sich gr\u00f6\u00dftenteils unkommentiert in unserer Umgebung und Gegenwart abspielt: Artenschwund.<\/p>\n<p>Es ist mir unbegreiflich, wie ein so essenzielles Thema, das unsere eigene Existenz unmittelbar ber\u00fchrt, mit keiner Silbe im gegenw\u00e4rtigen Wahlkampf erw\u00e4hnt werden kann. Keine der gro\u00dfen Parteien spricht von Naturschutz und\u00a0 Artensterben und wie dagegen vorgegangen werden soll. Vielleicht gerade deshalb, weil die Ursachen und Verursacher nur zu gut bekannt sind? Ich h\u00e4tte dringend erwartet, dass die verfehlte EU-Agrarpolitik, die in unserm Land lobbyfreundlich umgesetzt wird, zum Wahlkampfthema gemacht wird &#8211; und dass Wege gesucht werden, wie wir das Artensterben beenden oder wenigstens aufhalten.<\/p>\n<p>Sie haben ganz klar dargestellt, dass die Folgen in der Konsequenz unsere Ern\u00e4hrung, unser Wohlergehen \u00e4u\u00dferst nachteilig treffen werden. Norbert Bartel, BUND-Vorsitzender in\u00a0 M\u00e4rkisch-Oderland, spricht f\u00fcr das Oderbruch. Ich kann das Gleiche f\u00fcr die Uckermark berichten. In bilderbuchsch\u00f6ner Landschaft, die auf dem Wege ist, den nachhaltigen, sogenannten sanften Tourismus als Einnahmequelle zu erschlie\u00dfen, verschwinden V\u00f6gel, Flederm\u00e4use, Insekten, auch andere Artengruppen, durch den \u00e4u\u00dferst abtr\u00e4glichen Einfluss, den die konventionelle Landwirtschaft auf Boden, Luft, Wasser und Biotopqualit\u00e4t aus\u00fcbt. Sie haben es ja alles genannt. Dass daneben weitere gravierende Negativ-Einfl\u00fcsse zu nennen sind, wie die Millionen von Hauskatzen, aber auch die verdrahtete Landschaft, die Tausende V\u00f6gel ebenso wie die immer dichter aufragenden Windr\u00e4der t\u00f6ten, kommt hinzu.<\/p>\n<p>Die Verursacher sind also seit vielen Jahren bekannt. Die &#8222;Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt&#8220;, herausgegeben im November 2007 mit dem Ziel, bis 2015 den Artenschwund zu stoppen, ist l\u00e4ngst \u00fcberholt, die Zielmarke weiter nach hinten geschoben. Warum geschieht nichts? Die Frage ist nat\u00fcrlich naiv, denn die Antwort liegt auf der Hand. M\u00e4chtige Lobbygruppen sorgen daf\u00fcr, dass weiter Pestizide und Kunstd\u00fcnger in riesigen Mengen auf das Land niedergehen, dass Antibiotika in Tonnen an viel zu intensiv gehaltene Haustiere verf\u00fcttert werden, es geht um gro\u00dfes Gesch\u00e4ft. Aber ich erwarte von den verantwortlichen Politikern, diese Entwicklungen nicht nur bedauernd beim Namen zu nennen &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; sondern konsequent zu handeln. Peter Berthold, Wissenschaftler, Ornithologe, weist eine m\u00f6gliche Richtung: den \u00d6kolandbau zu f\u00f6rdern, um die Schadstoffeintr\u00e4ge endlich zu stoppen, und gleichzeitig wieder Fl\u00e4chen stillzulegen, der Natur zur\u00fcck zu geben.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher wurde Unland genannt, was Arche seltener Arten war, gegenw\u00e4rtig wird jeder Zipfel beackert &#8211; aus allem l\u00e4sst sich viel Geld holen. Landwirte, die im Gegensatz dazu bereit sind, als Landschaftspfleger zu wirken, sollen daf\u00fcr entsprechend honoriert werden, dort muss die Subvention hinflie\u00dfen, denn sie erweisen dem Land, unserer Gesellschaft, einen hochwertvollen Dienst. Unsere Landwirtschaft muss extensiviert werden, schnell!<\/p>\n<p>Diejenigen aber, deren Produktionsweise f\u00fcr verarmte Flora und Fauna verantwortlich ist, f\u00fcr Uran im Grundwasser, f\u00fcr hohe Stickstoffbelastung der Trinkwasser liefernden Gew\u00e4sser, ob nun Grund- oder Oberfl\u00e4chenwasser, m\u00fcssen daf\u00fcr endlich zur Verantwortung gezogen werden, und nicht noch zus\u00e4tzlich mit Geldern aus unser aller Taschen belohnt. Eine so paradoxe Praxis leuchtet niemandem ein! Au\u00dfer den Lobbyisten und den Subventionsempf\u00e4ngern nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Bis heute sind aber auch die Beh\u00f6rden vor Ort, also untere Naturschutzbeh\u00f6rden und Landwirtschafts\u00e4mter, eher auf der Seite der Schadensverursacher, denn auf der Seite der B\u00fcrgerInnen, die die unheilvolle Entwicklung beim Namen nennen. Sie kehren entsprechende Anzeigen, z.B. von der illegalen Einleitung von G\u00fclle in ein unter europ\u00e4ischem Schutz stehendes FFH-Gebiet, unter den Teppich. Die zust\u00e4ndigen \u00c4mter genehmigen Intensiv-Tierfabriken in sensiblen Biotopen, deren Abluftfracht, Exkremente und weitere Folgen der Landschaft zugemutet werden und schwere Sch\u00e4den anrichten.<\/p>\n<p>Protestierende und B\u00fcrgerinitiativen, die mit viel privatem Geld und schl\u00fcssiger Argumentation dagegen auftreten, werden ignoriert, beiseite geschoben, l\u00e4cherlich gemacht. Nochmals danke ich Ihnen f\u00fcr den sehr sachlichen Bericht und verbleibe<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<br \/>\nBeate Blahy<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Regierungsparteien allen Grund haben, dass Thema aus dem Wahlkampf auszublenden vesteht sich. Es ist eben eine \u00fcberaus blamable Entwicklung, die sich mit dem R\u00fcckgang der Artenvielfalt abbildet. 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