{"id":849,"date":"2019-11-10T20:40:25","date_gmt":"2019-11-10T19:40:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/?p=849"},"modified":"2019-11-10T20:42:24","modified_gmt":"2019-11-10T19:42:24","slug":"windrad-schrott-das-70-000-tonnen-problem-der-energiewende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/2019\/11\/10\/windrad-schrott-das-70-000-tonnen-problem-der-energiewende\/","title":{"rendered":"Windrad-Schrott: Das 70.000-Tonnen-Problem der Energiewende"},"content":{"rendered":"<p>Video bei\u00a0<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article202835056\/Windrad-Schrott-Das-70-000-Tonnen-Problem-der-Energiewende.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Welt.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>N\u00e4chste Hiobsbotschaft f\u00fcr die deutsche Windkraft: Ausgerechnet das Umweltbundesamt warnt vor einem Entsorgungsproblem von ausgedienten Rotoren. Doch damit nicht genug: Bei den Betreibern klafft eine 300-Millionen-Euro-L\u00fccke.<\/p>\n<p>Auf den ersten Weckruf hatte die Windkraftindustrie noch mit Beschwichtigungen reagiert. Es war Anfang vergangenen Jahres, als der f\u00fchrende deutsche Entsorgungskonzern Remondis \u00f6ffentlich davor warnte, dass die deutsche Energiewende vor einem erheblichen Entsorgungsproblem stehe.<\/p>\n<p>\u201eWir stellen mit massiven Subventionen Windr\u00e4der auf, aber niemand hat sich Gedanken dar\u00fcber gemacht, was danach mit den Anlagen passiert; dass die eingesetzten Mittel zum Beispiel auch recyclingf\u00e4hig sein m\u00fcssen\u201c, erkl\u00e4rte damals Remondis-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Herwart Wilms. Insbesondere bei den mit Glas- und Kohlenstofffasern verst\u00e4rkten Kunststoffen f\u00fcr die Rotorbl\u00e4tter sei \u201eunter vern\u00fcnftigen \u00f6konomischen Bedingungen eine Aufbereitung kaum zu schaffen\u201c.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident des Bundesverbandes Windenergie (BWE) winkte damals noch ab: Es gebe etablierte Recyclingverfahren f\u00fcr solche Verbundstoffe, die ja auch im Auto- und Flugzeugbau Verwendung finden, erkl\u00e4rte Hermann Albers. \u201eDie Sorge, k\u00fcnftig vor Bergen alter Rotorbl\u00e4tter zu stehen, sind mehr als unbegr\u00fcndet.\u201c<br \/>\nJetzt wird genau diese Sorge allerdings erneut laut \u2013 und durch ein wissenschaftliches Gutachten sogar noch verst\u00e4rkt. Ausgerechnet das Umweltbundesamt, erwiesenerma\u00dfen kein Feind erneuerbarer Energien, hat das Recyclingproblem der Windkraftbranche in einer 250 Seiten starken Studie analysiert. Ergebnis: F\u00fcr Entwarnung an der Entsorgungsfront gibt es keinen Grund. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Laut der Studie des Umweltbundesamts fallen Tausende Tonnen Rotorblattschrott an, wenn in den n\u00e4chsten Jahren immer mehr Windr\u00e4der der ersten Generation das Ende ihrer 20- bis 30-j\u00e4hrigen Lebensdauer erreichen. Allein im Jahr 2021 sind es demnach mehr als 50.000 Tonnen sogenannte GFK-Verbundwerkstoffe. Bis zum Jahr 2038 kann der Abfallberg in der Spitze auf mehr als 70.000 Tonnen pro Jahr ansteigen.<\/p>\n<p>Verbundwerkstoffe mit verklebten Glas- und Kohlenstofffasern seien \u201ebislang jedoch schwer zu verwerten\u201c, warnt das Umweltbundesamt. In Deutschland gebe es lediglich eine einzige spezialisierte Verwertungsanlage f\u00fcr solche Abf\u00e4lle.<br \/>\nUnd damit nicht genug: Die Betreiber der Windkraftanlagen legen offenbar auch nicht genug Geld zur\u00fcck, um den ordnungsgem\u00e4\u00dfen R\u00fcckbau und das Recycling ihrer Altanlagen finanzieren zu k\u00f6nnen. Laut Studie zeigt sich, \u201edass vor allem ab Mitte der 2020er-Jahre erhebliche Finanzierungsl\u00fccken bevorstehen\u201c. F\u00fcr das Jahr 2038 prognostiziert das Umweltbundesamt eine L\u00fccke von 300 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Beide Befunde stellen eine zus\u00e4tzliche Bedrohung f\u00fcr die ohnehin schon angeschlagene deutsche Windkraftbranche dar. Die Anlagenhersteller leiden in diesem Jahr unter einem starken Einbruch der Auftragszahlen, weil immer mehr Projekte von betroffenen Anwohnern, Wald- oder Vogelsch\u00fctzern beklagt werden. In der Folge ziehen sich auch die Genehmigungsverfahren f\u00fcr neue Windparks unkalkulierbar lange hin. Immer h\u00e4ufiger kommt es in der einst erfolgsverw\u00f6hnten deutschen Windkraftbranche inzwischen zu Entlassungen und Betriebsschlie\u00dfungen.<br \/>\nBei einem \u201eWindgipfel\u201c im Bundeswirtschaftsministerium hatte die Branche erst vor wenigen Wochen deutlich gemacht, was n\u00f6tig sei, um die Ausbauzahlen wieder auf das gew\u00fcnschte Niveau zu heben: Weniger B\u00fcrokratie, weniger Artenschutz-Auflagen und k\u00fcrzere Klagewege sollten die Windbranche aus ihrem Tief holen.Doch jetzt fordert ausgerechnet das dem Bundesumweltministerium angeschlossene Umweltbundesamt genau das Gegenteil: mehr Auflagen, mehr B\u00fcrokratie und h\u00f6here finanzielle R\u00fcckstellungen f\u00fcr den R\u00fcckbau. \u201eDie Studie empfiehlt, die Berechnungsgrundlage f\u00fcr die R\u00fccklagen zu \u00fcberpr\u00fcfen und die R\u00fccklagen regelm\u00e4\u00dfig von einem unabh\u00e4ngigen Sachverst\u00e4ndigen pr\u00fcfen zu lassen, ob sie noch dem Stand der Technik und den zu erwartenden Kosten entsprechen\u201c, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Umweltbundesamt fordert R\u00fcckbau der Betonfundamente<\/p>\n<p>Eine Frage beantwortet die Studie des Umweltbundesamts dabei jedoch nicht: Wie teuer das sachgem\u00e4\u00dfe Zerlegen der alten Rotorbl\u00e4tter wird, kann bis dato nur gesch\u00e4tzt werden. Verfahren werden erst noch entwickelt. \u201eAufgrund ihrer hohen Energiedichte sind Carbonfasern nur unter extremen Bedingungen verbrennbar\u201c, hei\u00dft es in der Studie. Die elektrische Leitf\u00e4higkeit von CFK-St\u00e4uben k\u00f6nne innerhalb der Verbrennungsanlagen \u201ezu Kurzschl\u00fcssen, Stromausf\u00e4llen oder Br\u00e4nden f\u00fchren\u201c. Damit nicht genug: Zu vermuten sei, \u201edass Carbonfasern unter Sauerstoffeinfluss ab einer Temperatur von 650 Grad Celsius lungeng\u00e4ngige Teilchen bilden, die nach Einatmung \u2013 \u00e4hnlich wie bei Asbestfasern \u2013 das Lungenkrebsrisiko erh\u00f6hen\u201c.<\/p>\n<p>Aufgrund solcher Gesundheitsgefahren beim Zerkleinern faserverst\u00e4rkter Kunststoffe fordert die Studie des Umweltbundesamts auch strengere Regeln f\u00fcr den Windradabbau. Denn bislang werden alte Windr\u00e4der oft recht hemds\u00e4rmelig per Kran oder Lkw umgerissen oder mit Sprengstoff zu Boden gebracht \u2013 eine Praxis, die auf YouTube vielfach zu besichtigen ist.<\/p>\n<p>Auch die Praxis, Tausende Tonnen Betonfundament nach dem Windradabriss einfach im Boden zu belassen, will das Umweltbundesamt so nicht mehr hinnehmen: Die Fundamente sollten in Zukunft \u201em\u00f6glichst vollst\u00e4ndig zur\u00fcckgebaut werden\u201c. Das bislang eingesetzte Verfahren, Rotorbl\u00e4tter vor Ort auf dem Acker kleinzus\u00e4gen oder -flexen, sollte ebenfalls reguliert werden, fordert das Umweltbundesamt mit Blick auf die \u201elungeng\u00e4ngigen\u201c Carbonfasern, die dabei freigesetzt werden. Bei den S\u00e4gearbeiten vor Ort \u201esollte die Staubbelastung f\u00fcr Mensch und Umwelt durch Einhausung sowie Auffangen von staubbelastetem Wasser minimiert werden\u201c.<\/p>\n<p>Auf die ohnehin bedr\u00e4ngte Branche kommen damit vermutlich kostentr\u00e4chtige \u00d6koauflagen zu, denn: \u201eZusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich keine hochwertige Recyclingmethode f\u00fcr CFK etablieren konnte\u201c, stellt das Umweltbundesamt fest. \u201eDie energetische Verwertung in einer M\u00fcllverbrennungsanlage ist aufgrund der potenziellen Entstehung problematischer Faserbruchst\u00fccke sowie der Problematik m\u00f6glicher auftretender technischer Defekte innerhalb der Anlagen nicht m\u00f6glich.\u201c Schlie\u00dflich sei auch die mechanische Verwertung zu F\u00fcllstoffen im Stra\u00dfenbau \u201eeinerseits unwirtschaftlich\u201c, andererseits sei \u201edie Nachfrage daf\u00fcr bei prognostizierten steigenden Mengen an CFK-Abfall zu gering\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Video bei\u00a0Welt.de &nbsp; N\u00e4chste Hiobsbotschaft f\u00fcr die deutsche Windkraft: Ausgerechnet das Umweltbundesamt warnt vor einem Entsorgungsproblem von ausgedienten Rotoren. Doch damit nicht genug: Bei den Betreibern klafft eine 300-Millionen-Euro-L\u00fccke. Auf den ersten Weckruf hatte die Windkraftindustrie noch mit Beschwichtigungen reagiert. Es war Anfang vergangenen Jahres, als der f\u00fchrende deutsche Entsorgungskonzern\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/2019\/11\/10\/windrad-schrott-das-70-000-tonnen-problem-der-energiewende\/\"><span>mehr lesen<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"xn-wppe-expiration":[],"xn-wppe-expiration-action":[],"xn-wppe-expiration-prefix":[],"footnotes":""},"categories":[1,2],"tags":[],"class_list":["post-849","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-artikel","gallery-content-unit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/849","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=849"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/849\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":851,"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/849\/revisions\/851"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=849"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=849"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carzig.net\/carzig\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=849"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}